Eine Zukunftsvision für die „DG“

Wunsch nach eigener Identität: nicht-offizielle „Nationen-Kennzeichen“

Projekttitel

Erarbeitung eines Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK)

Bearbeitungszeitraum

2009-2007

Auftraggeber

Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien, Eupen

Partner

Bettina Kreisel, aixplan, Aachen

Kerninhalte

Die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) stellt eine der derzeit sechs Verwaltungseinheiten in Belgien dar (drei Regionen, drei Sprachengemeinschaften). Im Jahre 2009 wurde die DG 25 Jahre alt und dies war Anlass, erstmalig ein Regionales Entwicklungskonzept (REK) in Auftrag zu geben, mit dessen Hilfe die künftige Regierungspolitik strategisch ausgerichtet werden soll.

Unter aktiver Beteiligung regionaler Akteure wurden in 22 Dialogrunden mit über 350 Personen die Grundlagen für eine Analyse sowie Konzeptentwicklung erarbeitet.

Das daraus abgeleitete REK wurde nach der Parlamentswahl Ende 2009 Grundlage der Koalitionsvereinbarung und damit auch des Regierungsprogramms für die gewählten politischen Parteien in der Region der DG.

Projektleiter

Gerda Maria Fuchs-Popp

Projektbeschreibung

Nur wenige Menschen in Deutschland oder Europa kennen die „Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens (DG)". Selbst in Belgien wissen nicht alle Einwohner, was unter dem Kürzel „DG" zu verstehen ist. Die „DG" umfasst die beiden deutschsprachigen Kantone St. Vith und Eupen. Mit etwas über 70.000 Einwohnern und neun Gemeinden bildet die DG den Osten Belgiens und befindet sich mit ihrer gesamten Fläche in der wallonischen Region. Über einen vor 25 Jahren erlangten Autonomiestatus wurde die „DG" der französischen und flämischen Sprachgemeinschaft gleichgestellt. Sie ist somit die kleinste gesetzgebende Flächeneinheit in Europa.

Ein zentrales Problem stellt wegen des schwierigen und für Ausländer oft nicht transparenten organisatorischen Staatsaufbaus die  regionale Identität dar. So ist dieses Staatsgefüge ja auch aus belgischer Sicht so komplex, dass ganz aktuell kaum eine Lösung für eine nationale Regierungsbildung möglich erscheint. Ganz besonders schwierig ist dies natürlich für die sprachlich kleinste Gemeinschaft, die zudem nicht auch noch auf einen aus der Tradition gewachsenen Begriff wie „Flamen" oder „Wallonen" zurückgreifen kann. Das Kürzel „DG" ist nicht nur in Belgien selbst, sondern auch  überregional und erst recht internationale schwer zu vermitteln, wenngleich diese zwei Buchstaben in der Region (EURGIO) heute durchaus einen mit Selbstbewusstsein und Stolz getragenen Begriff darstellen.

Einen Weg in die Zukunft mit erwartungsvollen Visionen und einem guten Rüstzeug für den Wettbewerb im euroregionalen Raum sah Karl-Heinz Lambertz, Ministerpräsident  der DG, als zum Abschluss der Erarbeitung des REK in Eupen Bilanz einer kreativen Arbeitsphase zog und den Blick in die Zukunft der Region am Schnittpunkt mehrerer europäischer Kulturen wagte.

FUTOUR hat gemeinsam mit dem Aachener Büro aixplan innerhalb eines Jahres, erstmalig für die DG und mit rund 350 auf unterschiedlichen Ebenen eingebundenen Akteuren ein strategisches Konzept erstellt, dessen inhaltliche Schwerpunkte nämlich nicht nur auf die aktuell existierenden Kompetenzbereiche der Sprach- und Kulturgemeinschaft DG gelegt. Auch vor dem ungewissen politischen Hintergrund des belgischen Staatsgefüges und aller sich daraus eventuell ergebender Konsequenzen wurden auch jene Bereiche erfasst, die derzeit von der Wallonischen Region oder vom Föderalstaat abgedeckt werden.

Nie zuvor hatte die DG in einem so umfassenden Ansatz ihre bisherige Arbeit und ihre politischen Perspektiven evaluieren und in einem, von der breiten Basis getragenen, Leitbild sowie einer darauf aufbauenden Handlungsstrategie erarbeiten lassen.

Die Abschlussveranstaltung  stellt daher gleichzeitig auch den Auftakt für eine lang angesetzte Umsetzungsphase dar. Der Optimismus für die dabei aufgestellten strategischen Ziele und Schritte war sprichwörtlich zu spüren. Die Weichen für eine künftige Koordinierung dieses Prozesses wurden gestellt, so dass alle Beteiligten positiv gestimmt sind, dass die mit dem REK verbundene Erwartungshaltung nicht enttäuscht werden wird.

Erfahrungsgemäß halten am Schnittpunkt der Projekt-Phasen - Ende der externen Begleitung, Beginn der vor Ort verankerten Umsetzung - nicht immer so viele Akteure den Spannungsbogen für die nachfolgenden Schritte und ihre darin einkalkulierten Eigenleistungen so hoch, wie dies im Fall der DG gewesen war. Der Einsatz hat Früchte getragen, denn nach den Parlamentswahlen von 2009 haben die auch schon bisher regierenden Parteien ihre erneuerte parlamentarische Mehrheit noch in der  Wahlnacht genutzt, um die Fortführung der erfolgreichen Koalition bekannt zu geben. Dabei wurde das REK zur Grundlage der neuen Koalitionsvereinbarung und damit auch zur daraus folgenden Regierungsbildung erhoben. Sehr gute Aussichten, dass die unter konstruktiver Mitwirkung so vieler lokaler Akteure entstandenen Umsetzungsziele im REK nun auch eine politische Realisierungs-Chance erhalten.

www.dglive.be