Scherben bringen Glück

11.04.2018

FUTOUR-Regionalberatung profiliert Eifel-Gemeinde

Im Rahmen eines LEADER-Projektes in der Verbandsgemeinde Speicher in der Südwesteifel wurde nach einer touristischen Profilierung für eine Gemeinde gesucht, in deren Verbandsgemeindegebiet sich vermutlich mehr als 200 historische Brennöfen aus römischer Zeit befinden.

Geöffneter römischer Brennofen (Quelle: RGZM Mainz)

 

Dieses historische Kulturerbe war der Ausgangspunkt eines umfassenden Rechercheprojektes, bei dem das touristisch nutzbare Potenzial dieses unter der Erde unsichtbar schlummernden archäologischen Schatzes zumindest virtuell gehoben werden sollte.

Am Standort befanden sich noch vor geraumer Zeit zwei größere keramische Betriebe, einer eher auf klassische Töpferware, ein anderer auf kunstkeramisches Porzellan spezialisiert. Während nunmehr nur die kunstkeramischen Werkstätten  noch produzieren und damit als einziger Betrieb diese mindestens 1.800 Jahre alte Handwerkstradition transparent machen, stehen zumindest die funktionsfähigen Werkstätten der ehemaligen  Töpfereiwerke für eine touristische Folgenutzung zur Verfügung.

Mit den Töpferei-Betrieben, deren letzte Blütezeit um 1850 lag, verschwand auch nach und nach das Knowhow um diese Handwerkskunst. Nur noch – aber durchaus aktivierbare – Rudimente dieses Wissens sind vorhanden. Dem Projekt kommt eine zeitgleich durchgeführte und auf Radarstrahlen-Messungen beruhende Bodenerkundung durch eine Außenstelle des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz zu Hilfe. Denn erst diese hat die auf wohl um die 200 Standorte vermutete
Konzentration von römischen Töpfereibezirken ermittelt. Hier muss zu jener Zeit – als im benachbarten Trier die Römer ihre mit 80.000 Einwohnern größte Stadt nördlich der Alpen unterhielten – ein gigantischer Industriekomplex in einem Raum bestanden haben, der sich heute als liebliche Wald-Wiesen-Landschaft mit einigen tief eingeschnittenen Kerbtälern völlig verändert präsentiert.

 

Stumme Töpferzeugen (Foto: Dieter Popp)

 

FUTOUR Regionalberatung hat eine TöpferErlebnisWelt Speicherer Land vorgeschlagen, deren zentrale Attraktionspunkte ein nachgebauter Töpfereibezirk, der Original-Nachbau eines funktionsfähigen römischen Brennofens, die Reaktivierung einer Töpfer-Werkstatt sowie ein Kultursommer-Projekt – neben weiteren ergänzenden Modulen – darstellen soll.
Auch die Ergänzung des bestehenden Museums Speicher um eine eigenständige Ausstellung zur globalen Glas- und Krug-Kultur der über die gesamte nördliche Halbkugel verbreiteten Obstweine wurde vorgeschlagen, da im verbleibenden kunstkeramischen Betrieb der original Viez-Porz, das traditionelle Trinkgefäß des in der Südwesteifel  „Viez" genannten Apfelweins  hergestellt wird.

Die von FUTOUR erarbeitete Machbarkeitsstudie  muss nun aber auch konsequent umgesetzt werden. Dies wird noch zu intensiven Diskussionen in den politischen Gremien führen. Denn Investitionen in solchen finanziellen Dimensionen hatte die Verbandsgemeinde für den Tourismus bisher nicht zu stemmen. FUTOUR und die Eifel Tourismus GmbH haben aber auf zahlreiche attraktive Fördermittelquellen verwiesen. FUTOUR hat die strukturellen und fachlichen Grundlagen geschaffen. Die politische Weichenstellung muss aber nun vor 0rt erfolgen.

Kontakt: Dieter Popp

11.04.2018 • ZurückDruckenWeiterleitenFeedback